Skript zum Artikel im DHV-Info 205, Mai 2017

ThermiXC ist ein Online-Tool, um Fluggebiete zu erkunden oder Strecken zu planen. Verschiedene Thermikmodelle können dabei beliebig kombiniert werden. Im DHV-Info 198 wurde das Tool vorgestellt, ist nun seit gut einem Jahr online und wird intensiv genutzt. Grund genug, die in der ersten Saison gewonnenen Erfahrungen und das Piloten-Feedback zu besprechen und in die Weiterentwicklung einfließen zu lassen.
Link: https://berndgassner.de/thermix
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Text und Grafiken Bernd Gassner, Foto Christian Nickl

Nur für Streckenjäger?

Flugplanung mit ThermiXC und Thermikmodellen

Im vergangenen Jahr habe ich viele Rückmeldung von Piloten erhalten, die ThermiXC nutzen. Die Tool-Funktionen bereiteten den Piloten kaum Probleme und wurden inzwischen optimiert und an mobile Geräte angepasst (siehe Kasten "ThermiXC mobile" und Abb.1: FAI-Dreieck). Diskussionen und Fragen betreffen meist die hinterlegten Thermikmodelle und deren sinnvolle Nutzung.

Die Kunst ist, die Modelle abhängig von Region, Datum und Zeit zu filtern, zu kombinieren, und so zu einer möglichst guten Einschätzung des thermischen Potentials des Fluggeländes bzw. der Route zu kommen. Die Thermikmodelle basieren auf verschiedenen Konzepten. Deshalb sind die aus den Modellen ableitbaren Aussagen unterschiedlich zu interpretieren und nicht direkt vergleichbar. Unterschiede gibt es außerdem in der regionalen Abdeckung.

Folgende Methoden haben sich bisher bewährt:

The Easy Way

Will man wenig Zeit für die Einarbeitung verwenden und ist mit einer groben Planung zufrieden, bietet sich an, nur die kk7 Skyways oder besser die kk7 Thermals von Michael von Känel zu verwenden, die auch aus dem XC-Planner und anderen Websites bekannt sind. Die Daten beruhen auf realen Tracks, die Darstellung ist einfach, plakativ und kaum umstritten.

Etwas mehr Informationen erhält man, wenn man die kk7 Thermals durch die kk7 Hotspots ergänzt oder ersetzt. Sind viele thermische Hotspots zur betrachteten Region und Zeit vorhanden, kann man die Anzeige auf die wahrscheinlichsten Thermikquellen einschränken (Abb.2: Eine erfolgversprechende Route über den Pass Thurn; Filter "probability" > 60%,). Eine "Ideallinie" entlang der Thermik-Hotspots ist nicht unbedingt die schnellste Route, aber die Erfolgsaussichten für den Steckenflug sind höher, solange man sich in der Nähe dieser Ideallinie bewegen kann. Da der wahrscheinlichste Thermikpunkt tatsächlich ein "Schwerpunkt" der real erflogenen Thermiken der näheren Umgebung ist, sucht man die Bärte später zwar in der Nähe dieser Hotspots, aber orientiert sich am Gelände, an Abrisskanten, bisherigem Windversatz, Schattenflächen usw.

Plan B

Für verschiedene Wetterbedingungen und Hauptwindrichtungen möchte ein ambitionierter Pilot manchmal alternative Pläne austüfteln. Nun schaltet man die DHV Thermals zu. Diese Daten beruhen wie die kk7 Hotspots ebenfalls auf realen Flügen, enthalten aber zusätzlich den Windversatz der Thermik und erlauben auch, sich auf die stärkeren oder hochreichenden Thermiken zu fokussieren. Die DHV-Thermikpunkte zu lesen erfordert dafür etwas mehr Aufwand: die Thermiken werden nicht wie die kk7 Hotspots verdichtet dargestellt, die Thermikpunkte sind oft wild über das Gelände verteilt. Die Interpretation des Windversatzes ist nicht trivial: wurde die Thermik durch Talwind, regionale Windsysteme wie z.B. den Bayrischen Wind oder den überregionalen Wind beeinflusst?

Häufungen von DHV-Thermiken lassen sich verwenden, um einen "Ersatz"-Hotspot für die Ideallinie abzuschätzen, falls kein kk7 Hotspot angezeigt wird. Darüber hinaus sollten die DHV-Thermikpunkte in erster Linie zur genaueren Betrachtung von Schlüsselstellen und Alternativen auf der Route genutzt werden. Im höheren Zoom-Level variiert man dazu die Filtereinstellungen: mit welchen Abflughöhen ist vor einer Talquerung realistisch zu rechnen, gibt es Konvergenzlinien, welcher Windversatz herrscht beim Einstieg auf der anderen Talseite vor, wo wurde bei welchem Talwind bisher meist wieder aufgedreht usw. (Abb.3: Später Nachmittag, heimwärts über den Wilden Kaiser; Filter "alt" > 2000m, Datum-Wildcard gesetzt). Die Thermikpunkte sollten verwendet werden verwenden, um das Gelände an den Schlüsselstellen besser zu verstehen. Einzelne DHV-Thermikpunkte auf dem GPS machen dagegen meist wenig Sinn.

Für schnelle und richtige Entscheidungen im Flug ist es sicher wichtiger, ein gutes Bild der Strecke und des Geländes im Kopf zu haben als einen exakten Plan im GPS. Dabei hilft uns auch "TherMap" von Dr. B. Sigrist. TherMap ist ein theoretisches Modell zur Entstehung von Thermik, das auf topografischen Informationen beruht. Rote Flächen markieren die Gebiete, die zum gewählten Zeitraum die beste Hangausrichtung, Hangneigung und Oberfläche haben, und so die Luft am besten erwärmen könnten. Leicht macht man den Fehler und erwartet: "rot = gut und grau = schlecht". Natürlich trifft das nicht immer zu, denn TherMap weiß nichts von Talwinden und Abrisskanten, sondern erleichtert nur das Lesen einer topografischen Karte und des Satellitenbildes bei der Flugvorbereitung. Sicher kann man zur thermischen Hauptzeit die passende Hangausrichtung schon anhand der Landkarte ganz gut abschätzen, zu thermisch schwächeren Tages- und Jahreszeiten spielen aber auch die Hangneigung und die Oberfläche eine Rolle, die man anhand der topografischen Karte nicht immer so schnell erkennen kann (Abb. 4: Beste Bärte spät nachmittags am Wilden Kaiser; TherMap und DHV-Thermiken mit Filter "gain" > 300hm, "climb" > 1m/s, "alt" > 2500m). Mit TherMap lassen sich diese Eigenschaften des Geländes schneller und einfacher auch über größere Gebiete optisch erfassen. Vorsicht ist dagegen bei der Nutzung der TherMap Hotspots geboten. Diese Punkte sind das Ergebnis einer experimentellen Modellrechnung, und zudem nur auf einen einzigen Zeitpunkt beschränkt (1. Juli um 12:00 UTC).

Regionale Unterschiede

In manchen Regionen findet man kk7 Hotspots, aber kaum DHV-Thermikpunkte. In anderen Regionen kann es dafür DHV-Thermiken geben, es sind aber keine kk7 Hotspots zu sehen. Die Ursache dafür ist, dass kk7 zwar auf eine deutlich umfangreichere und vor allem regional breitere Datenbasis zurückgreift (neben DHV-XC u.a. auch XContest), aber die kk7-Daten nachträglich stark verdichtet werden (Abb. 5: Im Stubai-Tal gibt es kk7 Skyways, aber kaum DHV-Daten, während sich beim Speikboden-Dreieck die DHV-Thermiken und kk7-Skyways fast decken; Abb. zeigt kk7 Skyways und DHV-Thermiken als Heatmap, Datum-Wildcard gesetzt). Es lohnt sich also auf der Suche nach real erflogenen Thermiken gelegentlich, zwischen diesen beiden Modellen zu wechseln oder sie zu überlagern.

TherMap deckt dagegen auch Gebiete in den Alpen, Apennin und Pyrenäen ab, für die bisher keine Tracks vorliegen. Im Flachland ist das TherMap-Konzept leider nicht einsetzbar.

Praktische Tipps

Alle genannten Thermikmodelle (außer den kk7 Skyways und den TherMap Hotspots) haben gemeinsam, dass man Datum und Tageszeit einstellen muss. Um einen kompletten Flug zu planen, darf man nicht vergessen, die Tageszeit wiederholt anzupassen. Generell gilt:

Ein Flugplan sollte abschießend als URL in der Browser-History gespeichert werden (XC-Tab > Save & Store). Noch besser ist es, ein Lesezeichen für diesen URL zu setzen. So kann man diesen Plan später nochmal durchgehen, weiterentwicklen und per Browser-Synchronisation auch auf anderen Geräten, z.B. auf dem Smartphone im Urlaub vor Ort nutzen. Will man die Wegpunkte auch im Flug verwenden, kann man den Flugplan als Datei speichern und die Datei in der XC-App öffnen oder auf das GPS übertragen. Weitere Hinweise zur Nutzung von ThermiXC findet Ihr online im XC-Tab > Help & About . Link: https://berndgassner.de/thermix.

Bernd Gassner, © 2017